"Über Glauben" - ein Nachbericht

04.05.26, 17:00
Sloterdijk_Kuball_ueber_Glauben_Foto_Basile025 (c) Basile

Vor zwei Wochen kam es vor ausverkauftem Publikum in Christi Auferstehung zur Begegnung des Philosophen Peter Sloterdijk und des Konzeptkünstlers Mischa Kuball.

Pfarrer Jürgen Hünten eröffnete als Gastgeber die Gesprächsrunde zum Thema „Über Glauben – Eine Annäherung“.

Die Gäste erlebten an diesem Abend keine klassische Diskussion über Religion oder Kirche, sondern eine offene Denkbewegung über den Menschen, seine Sehnsucht nach Sinn, Gemeinschaft und Orientierung in einer zunehmend komplexen Welt.

Im Gespräch zwischen Peter Sloterdijk und Mischa Kuball unter Moderation von Claudia Dichter wurde Glaube weniger als festes Dogma beschrieben, sondern vielmehr als Ausdruck der menschlichen Erfahrung, dass sich die Welt nie vollständig erklären lässt. Religion, Kunst und Gemeinschaft erschienen dabei als Räume, in denen Menschen versuchen, das Innerste ihres Erlebens gemeinsam sichtbar und teilbar zu machen.

Zugleich wurde deutlich, wie stark moderne Gesellschaften von Konkurrenz, Vergleich, permanenter Beobachtung und medialer Sinnsuche geprägt sind. Dem stellte Sloterdijk die Idee des Evangeliums als Gegenbewegung entgegen: nicht Triumph über andere, sondern die Fähigkeit zur Selbstbegrenzung und zum gemeinsamen Menschsein.

Durch den gesamten Abend zog sich ein größerer Gedanke: Der Mensch bleibt ein „übendes Wesen“, das auch in Zeiten gesellschaftlicher Krisen nach Orientierung, Beziehung und Bedeutung sucht. Die Menschheit, so Sloterdijk, befinde sich in einem offenen Lernprozess ohne endgültige Gewissheiten – und gerade deshalb seien Orte des Gesprächs, der Kunst, des Glaubens und des respektvollen Widerspruchs wichtiger denn je.

Ein Fazit, das zugleich die Vision und den Geist dieser Auftaktveranstaltung beschreibt. Gemeinsam mit der Initiatorin Christiane von Velsen möchte Pfarrer Jürgen Hünten Christi Auferstehung als Kirchort für den Dialog von Kirche und Kultur etablieren, an dem neue Formen der Begegnung und Auseinandersetzung stattfinden können. In der von Gottfried Böhm errichteten Kirche mit ihrem besonderen architektonischen Raum, die zugleich den geografischen Mittelpunkt der neuen pastoralen Einheit bildet, sollen künftig weitere Veranstaltungen, Gesprächs- und Kunstformate entstehen, die keine fertigen Antworten liefern wollen, sondern Räume öffnen, in denen philosophische, spirituelle und gesellschaftliche Fragen gemeinsam ausgehalten und weitergedacht werden können.

Gerade vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und der zunehmenden Herausforderung, kirchliche Räume langfristig zu tragen, wirkt dieses Format richtungsweisend. Es zeigt eine mögliche Zukunft von Kirchorten auf: offene Räume, deren Kern weiterhin der Glaube ist, die diesen jedoch auch durch Gespräch, Kunst und gesellschaftlichen Austausch neu erfahrbar machen.

Nach der großen positiven Resonanz auf diesen Auftakt ist bereits eine weitere Veranstaltung für die zweite Jahreshälfte 2026 in Planung.

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